Lesung

Die Gießener Auswanderungsgesellschaft von 1834 – Eine Utopie der Büchnerzeit

Vortrag mit Lichtbildern von Dr. Ludwig Brake

07.04.2013 | 11.00 Uhr
ZiBB

 „Wenn in unserer Zeit etwas helfen soll, so ist es Gewalt.“ Zu diesem Ergebnis kam Georg Büchner, der sich zusammen mit Friedrich Ludwig Weidig für den revolutionären Weg entschieden hatte, um die politischen Verhältnisse in Hessen-Darmstadt zu ändern. Sie riefen zum Krieg gegen die Paläste auf.

August Follen, ein Gießener Anwalt, und Friedrich Münch, ein Pfarrer aus Niedergemünden, gingen einen anderen Weg. Mit einer realistischeren Einschätzung der politischen Kräfteverhältnisse wandten sie sich gegen Gewalt, weil sie eine Veränderung für unmöglich hielten.

Da sie ihre Utopie aber dennoch realisieren wollten, entschlossen sie sich zur Auswanderung. In den nordamerikanischen Freistaaten wollten sie eine deutsche Musterrepublik errichten. Deren Vorbildcharakter sollte dann zurückwirken auf Deutschland und hier gesellschaftliche und politische Veränderungen bewirken.

Beide Utopien sind gescheitert: Weidig kam im Gefängnis um, Büchner starb im Exil. Auch die Utopie der Gießener Auswanderer ist als Projekt gescheitert und doch konnten wesentliche Bestandteile ihrer Ideale im praktischen Alltagsleben in den vereinigten Staaten realisiert und tradiert werden.

Während Büchner und Weidig in der deutschen historischen Literatur mittlerweile weithin bekannt und untersucht sind, und in den Büchnerjahren in den Vordergrund gerückt sind, ist die Gießener Auswanderungsgesellschaft, die in ihrer Zeit heftig diskutiert wurde, mittlerweile fast in Vergessenheit geraten.

Darum ist es umso lohnender, sich auf den Spuren der Gießener Auswanderungsgesellschaft auf eine abenteuerliche Reise von Gießen und Oberhessen an die „Western Frontier“, oder von Niedergemünden nach Missouri zu begeben.

07.04.2013 | 11.00 Uhr

Zentrum und Verein für interkulturelle Bildung & Begegnung e.V., Hannah-Arendt-Straße 10, 35394 Gießen